Tolles Presse-Echo: Super Demo!

So viele Bochumer RadlerInnen gemeinsam gegen den Verkehrs-Wahnsinn gab es noch nie zuvor! Obwohl das Wetter unberechenbar war, kamen ca. 350 Fahrradbegeisterte und eroberten den Innenstadtring und radelunfreundliche Radialen – übrigens: etwa so viele Fahrradfahrende wie sie 2018 in Bochum, Herne und Witten leider auch verunglückt sind (Zahlen lt. Stadtspiegel v. 15.06.2019; S. 11).
Danke an alle, die dabei waren! Gemeinsam mit vielen Bochumer FahrradfreundInnen werden wir so weiter machen. Die Zukunft ist auf unserer Seite! Noch mehr Fotos hier.
Die „WAZ“ zuerst mit einem schnellen Online-Beitrag und dann mit einem großen Artikel, der die Bedeutung des Radverkehrs herausstellt: zurzeit online-Text weiter unten. Dann der „Stadtspiegel“ mit einer Glosse, die es auf den Punkt bringt: Viel Tamtam um die Springorum-Trasse oder die Sanierung des Ruhrtal-Radwegs (mit Unterstützung des RVR), aber eine radverkehrsfreundliche (Innen-)Stadt fehlt. Die Freizeitradler*innen haben Spaß – die Alltagsradler*innen keinen:

WAZ-Artikel: Hunderte Radler demonstrieren

Bündnis Radwende stößt mit seiner Veranstaltung auf große Resonanz.
Es kritisiert die Bevorzugung des Autos im Stadtverkehr und fordert ein Umdenken
(von Svenja Stühmeier, WAZ)

Die Räder, die sich Samstag gegen 12 Uhr vor dem Bahnhof versammeln, sind genauso unterschiedlich wie die Menschen, die sie fahren. Ältere Radler auf E-Bikes sind vertreten, ebenso jugendliche Mountainbiker, Liegeradfahrer und Schülerinnen auf farbenfrohen Hollandrädern. Manche nutzen die anstehende Fahrraddemo auch als Familienausflug. Das gemeinsame Ziel: bessere und vor allem mehr Radwege, insbesondere im Innenstadtbereich.

Organisiert vom Bündnis Radwende, macht die Gruppe auf die mangelhaften Zustände aufmerksam. „Wir fahren die besonders brenzligen Strecken rund um den Ring und die anliegenden Hauptverkehrsadern ab“, sagt der Sprecher des Bündnisses, Dominik Bald. Die Routen, die auf dem Rad normalerweise nicht stressfrei sind, präsentieren sich während der Demo als äußerst angenehm. Durch die Polizei begleitet und abgesichert, nimmt die Gruppe aus etwa 350 Personen die gesamte Spur ein, fährt ein gemütliches Tempo und muss vor allen Dingen keine Angst haben, von Autos gefährdet zu werden – die warten geduldig auf das Ende der Kolonne.

Schnell von A nach B

Stetes Klingeln wandert durch den Zug, aus dem „Ghettoblaster-Bike“ der Dortmunder Velokitchen tönt Musik. Zwischendurch radeln vereinzelt Ordner, die ebenfalls ein Auge auf die Sicherheit der Teilnehmenden haben. Mehr Gemütlichkeit beim Radfahren ist jedoch nicht das oberste Ziel der Gruppe: „Es ist notwendig, gerade die Hauptstraßen für den Radverkehr auszubauen, um schnell von A nach B zu kommen“, sagt Dominik Bald.

Die Springorum-Trasse oder die Erzbahntrasse böten zwar gute Möglichkeiten zum Radeln. „Wenn wir allerdings erreichen wollen, dass mehr Menschen für den alltäglichen Verkehr auf das Rad umsteigen, reicht das bei weitem nicht aus.“ Dafür müssten alle in Kauf nehmen, dass die Anzahl der Autospuren zurückgeht, was ebenfalls im Sinne des Bündnisses ist: „Eine Energiewende reicht nicht aus, um das Klima zu schützen. Der Verkehr muss sich ebenfalls verändern.“

Das unterstützt Teilnehmerin Sabine Arndt zu hundert Prozent: Seitdem sie vor 20 Jahren nach Bochum gezogen ist, ärgert sie sich über die Verkehrssituation für Radfahrer. „Ich wünsche mir, dass wir endlich auf umweltfreundliche Bewegungsarten umsteigen und aufhören, das Auto zu priorisieren.“

Nächste Demo soll größer werden

Nachdem die Gruppe mehrmals am Bahnhof vorbeigeradelt ist, ist gegen 14 Uhr Ende der Demo. Wie bereits im Vorfeld von der Polizei erwartet, ist die Aktion friedlich verlaufen. Dominik Bald ist sehr zufrieden mit der ersten Fahrraddemo in Bochum nach fast 20-jähriger Pause: „Einige sind sogar spontan zu uns gestoßen, das war toll. Unser Ziel für die nächste Demo ist, dass doppelt so viele Personen teilnehmen.“ Wann genau die stattfinden wird, steht noch nicht fest – jetzt möchte das Bündnis erst einmal ins politische Gespräch kommen und die Zukunft des Radverkehrs mitgestalten.

WAZ ZEITUNG DIGITAL vom 17.06.2019, S. 20